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Losverfahren Medizinstudium
Ratgeber · 06.10.2026

Medizin studieren ohne Abitur: was geht und was nicht

Ein Medizinstudium ist auch ohne Abitur möglich, über Beruf und Fortbildung. Der Weg ist länger und von Land zu Land anders geregelt, und nicht jede Hochschule akzeptiert jede Zugangsberechtigung.

Werkzeugkoffer und Arztkittel neben einem Zeugnis, daneben eine Lostrommel

Medizin studieren ohne Abitur geht über eine berufliche Qualifikation. Ein Meister oder eine gleichwertige Fortbildung mit mindestens 400 Unterrichtsstunden gibt eine allgemeine Hochschulzugangsberechtigung. Eine passende Ausbildung von mindestens zwei Jahren und rund drei Jahre Berufspraxis führen zu einer fachgebundenen. Wer so eine Zugangsberechtigung hat, kann auch am Losverfahren teilnehmen, mit Einschränkungen.

Für Bewerber ohne Abitur ist das eine wichtige Nachricht, denn im Losverfahren entscheidet keine Note. Bevor es dorthin geht, muss aber der Zugang stehen. Und genau hier unterscheiden sich die Länder stark. Dieser Ratgeber erklärt den Rahmen, nennt Beispiele aus den Ländern und zeigt, wo die Grenzen liegen.

Kann man ohne Abitur Medizin studieren?

Ja. hochschulstart schreibt dazu auf seiner Seite für beruflich Qualifizierte, dass man in allen Bundesländern auch ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung zum Studium zugelassen werden kann. Gleich danach folgt die Einschränkung: Die Regeln unterscheiden sich von Land zu Land „mitunter erheblich“.

Den gemeinsamen Rahmen hat die Kultusministerkonferenz 2009 gesetzt. Ihr Beschluss „Hochschulzugang für beruflich qualifizierte Bewerber ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung“ unterscheidet zwei Stufen.

Allgemeiner Zugang durch Aufstiegsfortbildung. Wer einen der folgenden Abschlüsse hat, darf grundsätzlich jedes Fach studieren, also auch Medizin:

  • Meister im Handwerk
  • Fortbildungsabschlüsse nach Berufsbildungsgesetz oder Handwerksordnung, wenn die Lehrgänge mindestens 400 Unterrichtsstunden umfassen, etwa Fachwirte
  • Abschlüsse von Fachschulen, zum Beispiel staatlich geprüfte Techniker oder Betriebswirte
  • vergleichbare Fortbildungen in Gesundheits- und Sozialberufen nach Landesrecht

hochschulstart nennt für den Gesundheitsbereich als Beispiele Lehrkräfte für Pflege, Pflegedienstleitungen und die Fachkraft für Intensiv- und Anästhesiepflege.

Fachgebundener Zugang durch Ausbildung und Beruf. Wer keine Aufstiegsfortbildung hat, kann trotzdem studieren, aber nur ein Fach, das zum eigenen Beruf passt. Der KMK-Beschluss verlangt dafür eine mindestens zweijährige Berufsausbildung und mindestens drei Jahre Berufspraxis, beides in einem Bereich, der zum Studiengang passt. Dazu kommt ein Eignungsfeststellungsverfahren mit schriftlichen und mündlichen Teilen, das durch ein erfolgreiches Probestudium von einem Jahr ersetzt werden kann. Wer ein Aufstiegsstipendium des Bundes hat, kommt mit zwei Jahren Praxis aus.

Den Ländern ist ausdrücklich erlaubt, darüber hinauszugehen. Das ist der Grund, warum die Regeln heute so verschieden aussehen.

Welche Ausbildung und Berufserfahrung zählen

Für den fachgebundenen Weg kommt es vor allem darauf an, welcher Beruf als „fachlich verwandt“ gilt. Das legt jedes Land fest, teils sogar jede Hochschule. Niedersachsen nennt bei hochschulstart für Medizin unter anderem Gesundheits- und Krankenpflege, Pflegefachleute, Hebammen, Medizinische Fachangestellte und die medizinischen Technologen für Labor, Radiologie und Funktionsdiagnostik. Für Zahnmedizin zählen dort Zahntechniker und Zahnmedizinische Fachangestellte. In Berlin legt die Charité in einer eigenen Richtlinie fest, welche Ausbildung für Medizin und Zahnmedizin passt.

Auch bei Dauer und Form gehen die Länder auseinander. Einige Beispiele aus der Übersicht von hochschulstart:

Land Fachgebundener Zugang zu Medizin, kurz gefasst
Baden-Württemberg Hochschuleignungsprüfung in Freiburg, Heidelberg, Tübingen oder Ulm, vorher Beratungsgespräch
Bayern Hochschulzugangsprüfung in Augsburg oder an der LMU München; in Erlangen-Nürnberg, Regensburg und Würzburg eigene Vorabquoten
Hessen Hochschulzugangsprüfung, die die Universität Frankfurt durchführt
Niedersachsen dreijährige Ausbildung und drei Jahre Berufspraxis, gerechnet als 36 Monate in Vollzeit
Nordrhein-Westfalen dreijährige Ausbildung und drei Jahre Berufspraxis in Vollzeit
Rheinland-Pfalz Antrag an der Universität Mainz, Gesamtnote aus Ausbildung und Berufsschule mindestens 2,5
Saarland Ausbildung mit Mindestnote 2,5, Beratung und Probestudium von meist zwei Semestern
Sachsen eigene Vorabquote seit dem Wintersemester 2022/23, Vergabe durch die Hochschulen
Thüringen Probestudium und Vorabquote an der Universität Jena

Auffällig ist, wie oft eine Prüfung oder ein Probestudium dazwischengeschaltet ist. In Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein führt der fachgebundene Weg über eine Prüfung an der Hochschule, im Saarland und in Thüringen über ein Probestudium. In Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen genügen dagegen Ausbildung und Praxis. In Niedersachsen liegt die Zugangsberechtigung laut hochschulstart mit Ablauf der 36 Monate automatisch vor.

Die Tabelle ist bewusst knapp. Sie soll zeigen, wie verschieden die Wege sind, nicht jeden Nachweis ersetzen. Die vollständigen Regeln mit Rechtsgrundlage stehen bei hochschulstart.

Zwei Sonderfälle verdienen einen eigenen Satz. In Niedersachsen berechtigt eine Fachhochschulreife mit Schwerpunkt Gesundheit zum Studium von Medizin, Zahnmedizin und Pharmazie, nicht aber Tiermedizin. In Brandenburg erlaubt eine Fachhochschulreife nach aktueller Rechtslage die Bewerbung für Medizin an der Medizinischen Universität Lausitz.

Was der Weg über den Beruf in der Praxis bedeutet

Ohne Abitur dauert es länger. Der fachgebundene Zugang verlangt nach KMK-Rahmen mindestens zwei Jahre Ausbildung und drei Jahre Beruf, also mindestens fünf Jahre vor dem ersten Semester. Dafür bringen beide Wege etwas mit, das im Zentralen Verfahren zählt: Wer eine Ausbildung in einem Gesundheitsberuf abgeschlossen hat, den die Hochschule anerkennt, kann sowohl in der Zusätzlichen Eignungsquote als auch im Auswahlverfahren der Hochschulen Zusatzpunkte sammeln. Wie die Quoten aufgebaut sind, steht im Ratgeber zum Medizin-NC.

Heikel ist die Note. Im Zentralen Verfahren zählt die Durchschnittsnote der Hochschulzugangsberechtigung mit, und wie sie bei beruflich Qualifizierten ermittelt wird, regelt das Land. Nordrhein-Westfalen verlangt dafür eine Feststellungsprüfung. Wer deren Note nicht nachweist, wird laut hochschulstart mit der Note 4,0 berücksichtigt. Damit ist man in den notenabhängigen Quoten praktisch chancenlos.

Hier liegt der Grund, warum einige Länder eigene Vorabquoten für beruflich Qualifizierte geschaffen haben. Hamburg vergibt seit dem Wintersemester 2020/21 Plätze in den medizinischen Studiengängen und in Pharmazie über eine solche Quote, Sachsen seit dem Wintersemester 2022/23. In Bayern gibt es sie in Erlangen-Nürnberg, Regensburg und Würzburg, in Thüringen in Jena.

Und noch eine Falle: Was ein Land über den KMK-Rahmen hinaus zulässt, gilt nicht automatisch überall. Laut KMK-Beschluss erkennen die anderen Länder solche landesspezifischen Zugangsberechtigungen erst an, wenn man ein Jahr erfolgreich studiert hat. Wer seine Zugangsberechtigung nach einer Sonderregel seines Landes erworben hat, kann sich also nicht darauf verlassen, dass sie in einem anderen Land für den Studienbeginn reicht.

Losverfahren mit beruflicher Qualifikation

Das Losverfahren ist für beruflich Qualifizierte besonders interessant. Nach dem Zentralen Verfahren verlosen viele Hochschulen die Plätze, die frei geblieben sind. Die Note der Zugangsberechtigung spielt dabei keine Rolle, ein Test auch nicht. Die Schwäche bei der Note, die im Zentralen Verfahren schwer wiegt, fällt hier also weg. Wie dieser Teil der Vergabe abläuft, steht im Ratgeber Restplatzvergabe in Medizin.

Voraussetzung ist eine gültige Hochschulzugangsberechtigung für das Fach. Ein allgemeiner Zugang über den Meister gilt grundsätzlich für alle Fächer, ein fachgebundener nur für das Fach, für das er erteilt wurde. Ob eine Hochschule im Losverfahren beides gleich behandelt, regelt ihre Satzung.

Nicht jede Hochschule nimmt jede Zugangsberechtigung. Die Universität Frankfurt verlangt für die Staatsexamensfächer Medizin, Zahnmedizin und Pharmazie seit 2024 die allgemeine Hochschulreife, eine fachgebundene reicht dort nicht. Ob ein allgemeiner Zugang aus beruflicher Fortbildung dort als gleichwertig gilt, geht aus den öffentlichen Angaben der Universität nicht eindeutig hervor. Auf ihrer Losverfahren-Seite stellt die Universität außerdem klar, dass eine Fachhochschulreife nur für Bachelorstudiengänge genügt. Solche Regeln können sich ändern, auch von einem Semester zum nächsten.

Für die Zahl der Möglichkeiten heißt das: Mit einer fachgebundenen Zugangsberechtigung können einzelne Hochschulen herausfallen. Wie viele es sind, lässt sich nicht pauschal sagen, weil jede Satzung anders formuliert ist. In Humanmedizin standen zum Wintersemester 2026/27 32 Losverfahren an, und an jedem entscheidet das Los, nicht die Vorgeschichte.

Dass dort wirklich Plätze vergeben werden, belegen die Auskünfte der Hochschulen: 212 Zulassungen über das Los in Humanmedizin, gezählt an zehn Hochschulen aus unserem Angebot im Zeitraum vom Wintersemester 2022/23 bis einschließlich Wintersemester 2025/26. Sicher ist ein Losplatz nie, und trotzdem haben in jedem Semester Bewerber Glück. Eine Aufstellung je Hochschule gibt es unter Chancen und Zahlen.

Wir stellen die Losanträge für alle Hochschulen, die in einem Fach losen. Wer nur eine fachgebundene Zugangsberechtigung hat, kann Hochschulen ausschließen, die sie nicht akzeptieren. Ein Fach und ein Semester kosten 109,90 €. Gibt es in einem gebuchten Fach und Semester nirgends ein Losverfahren, erstatten wir den Anteil. Mehr dazu unter Preise. Wichtig bleibt: pro Hochschule und Fach nur ein Antrag, sonst droht der Ausschluss. Details im Ratgeber Mehrfachantrag vermeiden.

Zahnmedizin, Tiermedizin und Pharmazie ohne Abitur

Die Regeln gelten im Grundsatz für alle vier Fächer. Ein Meister öffnet nach dem KMK-Beschluss auch Zahnmedizin, Tiermedizin und Pharmazie. Beim fachgebundenen Zugang kommt es wieder darauf an, welcher Beruf als passend gilt.

Zahnmedizin. Niedersachsen nennt Zahntechniker und Zahnmedizinische Fachangestellte als passende Ausbildungen. Zum Wintersemester 2026/27 gab es 21 Losverfahren in Zahnmedizin. Über das Los kamen dort zwischen dem Wintersemester 2023/24 und dem Wintersemester 2025/26 an acht Hochschulen aus unserem Angebot 57 Bewerber zum Zug. Mehr unter Losverfahren Zahnmedizin.

Tiermedizin. Hier ist das Angebot klein. In Niedersachsen prüft die Tierärztliche Hochschule Hannover, ob ein Beruf passt. Als Beispiele nennt hochschulstart Landwirt, Tierpfleger und Tierwirt. Mit einer Fachhochschulreife ist Tiermedizin in Niedersachsen nicht möglich. Losverfahren gab es zum Wintersemester 2026/27 nur drei. In Hannover wurden zum Wintersemester 2024/25 16 Studienplätze per Los vergeben. Siehe Losverfahren Tiermedizin.

Pharmazie. Welche Ausbildungen für Pharmazie zählen, veröffentlicht in Niedersachsen die TU Braunschweig, in Nordrhein-Westfalen prüfen Bonn, Düsseldorf und Münster auf Antrag. Im Losverfahren ist Pharmazie das Fach mit den meisten Zulassungen: Zwei Hochschulen aus unserem Angebot meldeten zwischen dem Wintersemester 2023/24 und dem Wintersemester 2025/26 zusammen 296 Zulassungen über das Los. Zum Wintersemester 2026/27 gab es 15 Losverfahren, alle auf der Seite Losverfahren Pharmazie.

Andere Wege ohne Spitzennote

Wer beruflich qualifiziert ist, kann sich wie alle anderen auch über die Landarztquote einzelner Länder bewerben. Dort zählen Berufserfahrung und Ausbildung oft viel, dafür bindet man sich für zehn Jahre. Die Bedingungen je Land vergleicht der Ratgeber Landarztquote oder Losverfahren. Alle Wege ohne Spitzennote im Vergleich zeigt der Ratgeber Medizin ohne NC studieren.

Häufige Fragen

Kann man ohne Abitur Medizin studieren?

Ja. Laut hochschulstart kann man inzwischen in allen Bundesländern auch ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung zum Studium zugelassen werden. Wer einen Meister oder eine vergleichbare Aufstiegsfortbildung hat, bekommt eine allgemeine Zugangsberechtigung. Wer eine fachlich passende Ausbildung und Berufserfahrung mitbringt, kann eine fachgebundene erwerben.

Welche Ausbildung braucht man für Medizin ohne Abitur?

Für den fachgebundenen Zugang muss die Ausbildung fachlich zum Studium passen. Niedersachsen nennt für Medizin zum Beispiel Pflegeberufe, Hebamme, Medizinische Fachangestellte und medizinisch-technische Berufe. Jedes Land legt das selbst fest, deshalb gilt die Liste nicht überall.

Kann ich mit beruflicher Qualifikation am Losverfahren teilnehmen?

Grundsätzlich ja, denn im Losverfahren zählt die Hochschulzugangsberechtigung, nicht ihre Note. Manche Hochschulen verlangen aber mehr. Die Universität Frankfurt etwa setzt für Medizin, Zahnmedizin und Pharmazie die allgemeine Hochschulreife voraus, eine fachgebundene reicht dort nicht.

Gilt ein Meister auch für Zahnmedizin, Tiermedizin und Pharmazie?

Nach dem KMK-Beschluss von 2009 führt ein Meister zu einer allgemeinen Hochschulzugangsberechtigung, also nicht nur für ein Fach. hochschulstart listet die Regeln je Land für Medizin, Zahnmedizin und Pharmazie, für Tiermedizin etwa in Bayern, Berlin, Hessen und Niedersachsen. Wie der Nachweis geführt wird, unterscheidet sich von Land zu Land.

Bereit für die nächste Antragsrunde?

Du buchst online, trägst Deine Daten einmal ein, und wir stellen die Anträge. 109,90 € für das erste Fach und Semester.