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Losverfahren Medizinstudium
Ratgeber · 08.10.2026

Medizinstudium ohne Wartesemester: was nach der Abschaffung gilt

Früher konnte man sich einen Medizinplatz mit Geduld erarbeiten. Diese Tür ist geschlossen. Was an ihre Stelle getreten ist und warum ein Jahr Pause nur mit Plan etwas bringt.

Große Sanduhr mit durchgestrichenem Kalender, daneben eine Lostrommel

Wartesemester bringen für das Medizinstudium heute nichts mehr. Die frühere Wartezeitquote, über die 20 Prozent der Plätze in den Hauptquoten vergeben wurden, ist abgeschafft, und seit dem Sommersemester 2022 fließt Wartezeit auch nicht mehr als Kriterium ein. Im letzten Verfahren alter Art brauchte man in Medizin 14 Halbjahre, also sieben Jahre Geduld.

Viele Seiten im Netz beschreiben noch das alte System. Hier steht, was sich geändert hat, was heute stattdessen zählt und welcher Weg ganz ohne Warten auskommt.

Gibt es noch Wartesemester für Medizin?

Nein. Um zu verstehen, warum, lohnt ein kurzer Blick zurück.

Bis zum Wintersemester 2019/20 ging ein fester Anteil der Plätze an Bewerber, deren Abitur am längsten zurücklag. Gezählt wurden Halbjahre, Semester an einer deutschen Hochschule wurden abgezogen. Wie lang dieser Weg war, zeigen die letzten Auswahlgrenzen von hochschulstart: Zum Wintersemester 2019/20 brauchte man in Medizin 14 Halbjahre, in Zahnmedizin 13, in Tiermedizin 10. In Pharmazie reichten 2. Selbst nach sieben Jahren entschied in Medizin am Ende noch die Note mit: Bei gleicher Wartezeit wurde die Durchschnittsnote herangezogen, und mit 14 Halbjahren kam man zuletzt nur bis zu einer 1,9 zum Zug. Geduld allein war also schon damals kein sicherer Weg.

Im Dezember 2017 entschied das Bundesverfassungsgericht, dass die Regeln für die Vergabe von Medizinplätzen teilweise gegen das Grundgesetz verstoßen. Eine Wartezeitquote an sich hielt das Gericht für zulässig. Beanstandet hat es aber, dass die Wartedauer nicht begrenzt war. Zu langes Warten, so die Begründung des Gerichts, schmälert die Aussichten, das Studium später erfolgreich abzuschließen. Bis Ende 2019 mussten die Länder neu regeln.

Das Ergebnis ist der Staatsvertrag über die Hochschulzulassung von 2019. Er teilt die Plätze nur noch in drei Hauptquoten auf. 30 Prozent gehen an die Abiturbesten, 10 Prozent laufen über die Zusätzliche Eignungsquote, der Rest über das Auswahlverfahren der Hochschulen. Eine Quote für Wartende gibt es darin nicht mehr.

Die Übergangszeit bis 2022

Ganz abrupt kam der Schnitt nicht. Artikel 18 des Staatsvertrags sah für Human-, Zahn- und Tiermedizin eine Übergangsregel vor. Vom Sommersemester 2020 bis einschließlich Wintersemester 2021/22 zählte Wartezeit in der Zusätzlichen Eignungsquote noch als ein Kriterium unter mehreren:

Verfahren Gewicht bei 15 und mehr Wartesemestern
Sommersemester 2020 und Wintersemester 2020/21 45 Prozent
Sommersemester 2021 und Wintersemester 2021/22 30 Prozent
ab Sommersemester 2022 entfällt

Wer weniger als 15 Semester gewartet hatte, bekam anteilig weniger. Seit dem Sommersemester 2022 ist auch das vorbei. hochschulstart schreibt dazu in den Kriterien zur Eignungsquote knapp, Wartezeit werde seit diesem Semester nicht mehr berücksichtigt. Für Pharmazie gab es keine Übergangsregel, dort zählt angesammelte Wartezeit laut Leitfaden ebenfalls nicht. Mehr zu diesem Fach im Ratgeber Pharmazie studieren.

Warum Warten allein nichts mehr bringt

Ein Jahr ohne Studium verändert heute an Deiner Position in keiner Quote etwas, solange Du in diesem Jahr nichts tust, was nach den Kriterien zählt. Die Ranglisten entstehen aus Note, Testergebnis, Ausbildung, Beruf, Diensten und Preisen. Die Zahl der Jahre seit dem Abitur kommt darin nicht vor.

Ein Beispiel: Wer 2021 sein Abitur mit 2,5 gemacht und seitdem gewartet hat, steht im Jahr 2026 genauso da wie jemand, der das Abitur mit derselben Note gerade erst bekommen hat. Unter dem alten System hätten diese fünf Jahre ihm zehn Halbjahre gebracht. Heute bringen sie nur etwas, wenn er sie für eine Ausbildung, einen Dienst oder einen besseren Test genutzt hat.

Hart ist das vor allem für Bewerber, die vor der Reform angefangen haben zu warten. Ihre gesammelten Semester sind mit dem Ende der Übergangszeit wertlos geworden. Daran lässt sich nichts mehr ändern, wohl aber an der Planung für die nächsten Bewerbungen.

Was stattdessen zählt

Für alle, die die Note für die Abiturbestenquote nicht haben, sind heute zwei Quoten wichtig.

Die Zusätzliche Eignungsquote vergibt 10 Prozent der Plätze. In Human-, Zahn- und Tiermedizin darf die Schulnote dort überhaupt nicht zählen. Die Hochschulen wählen aus einem festen Katalog: Studieneignungstests, Auswahlgespräche, abgeschlossene Ausbildungen und Berufstätigkeit, Dienste und Preise. Wie unterschiedlich das ausfällt, zeigt Humanmedizin zum Wintersemester 2026/27: In Bielefeld, Bochum, Bonn, Düsseldorf, Greifswald, Köln und Rostock entschied in dieser Quote allein der TMS mit bis zu 100 Punkten. Andere Hochschulen kombinieren den Test mit Punkten für Ausbildung oder Dienst.

Das Auswahlverfahren der Hochschulen vergibt den größten Teil der Plätze. Die Abiturnote zählt hier mit, in Medizin müssen aber mindestens zwei Kriterien hinzukommen, die von Schulnoten unabhängig sind. Ein Studieneignungstest ist Pflicht, und laut hochschulstart kann ein Testergebnis die eigene Position nur verbessern.

Daraus ergibt sich, womit sich eine Pause heute füllen lässt:

  • Ein Test. Er kostet am wenigsten Zeit und wirkt in beiden Quoten.
  • Eine Ausbildung in einem anerkannten Beruf. Welche Berufe zählen, legt ein Katalog fest, der für alle Hochschulen gilt. Berufstätigkeit wird zusätzlich angerechnet, aber erst ab zwölf Monaten und nur nach abgeschlossener Ausbildung.
  • Ein Dienst. Ein FSJ, ein Bundesfreiwilligendienst oder ein freiwilliger Wehrdienst zählt ab elf vollendeten Monaten, Ehrenamt etwa beim Arbeiter-Samariter-Bund oder beim THW ab zwei Jahren. Die Tätigkeit muss überwiegend medizinischen Bezug haben. Und bei Punktgleichheit entscheidet ein abgeleisteter Dienst, bevor gelost wird.

Daneben gibt es Vorabquoten, die vor den Hauptquoten bis zu 20 Prozent der Plätze belegen können, etwa für Bewerber, die die Bundeswehr benennt, oder für die Landarztquote einzelner Länder. Beide verlangen eine lange Verpflichtung, mehr dazu im Ratgeber Landarztquote oder Losverfahren.

Welche Kombination zu welcher Abiturnote passt, zeigt der Ratgeber Mit welcher Note Medizin studieren?, wie die Quoten im Detail funktionieren, der Ratgeber zum NC in Medizin.

Losverfahren: ein Weg ohne Wartezeit

Ein Weg fragt weder nach der Note noch nach den Jahren seit dem Abitur. Wenn hochschulstart seine Vergabe beendet hat, sind an vielen Standorten noch Plätze offen, weil Zugelassene sich anders entscheiden oder nicht erscheinen. Die Hochschulen verlosen diese Plätze in eigenen Verfahren. Wer dabei gezogen wird, beginnt das Studium im laufenden Semester. Ob das Abitur ein Jahr oder fünf Jahre alt ist, spielt keine Rolle.

Zum Wintersemester 2026/27 stellen wir in Humanmedizin Anträge in 32 Losverfahren, in Zahnmedizin in 21, in Pharmazie in 15 und in Tiermedizin in 3. Wie viel dabei herauskommt, haben uns die Hochschulen auf Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz beantwortet. Zehn Hochschulen aus unserem Angebot meldeten für Humanmedizin insgesamt 212 Losgewinner, und zwar für die Semester vom Wintersemester 2022/23 an, das Wintersemester 2025/26 eingeschlossen. Am meisten waren es in Frankfurt mit 77 zum Wintersemester 2024/25, die Charité kam im Sommersemester 2024 auf neun. Eine Übersicht nach Hochschule und Semester bietet die Seite Chancen im Losverfahren.

Dazu gehört auch die andere Seite: Ein Platz über das Los ist nie sicher, aber jedes Semester haben Bewerber Glück. Wer heute ohne Platz dasteht, sollte das Los deshalb nicht als Ersatz für Test oder Ausbildung sehen, sondern als zusätzliche Möglichkeit im selben Semester. Es kostet kein Jahr und schließt keinen anderen Weg aus. Voraussetzung bleibt eine Hochschulzugangsberechtigung, und einzelne Hochschulen verlangen zusätzlich eine Bewerbung über hochschulstart.

Mühsam ist vor allem die Menge: viele Verfahren, jedes mit eigener Frist und eigenem Weg, manche nur wenige Tage geöffnet. Diese Arbeit nehmen wir Dir ab. Ein Fach kostet für ein Semester 109,90 €. Findet in einem gebuchten Fach und Semester nirgends eine Verlosung statt, erstatten wir diesen Anteil. Die Hochschulen in Humanmedizin stehen auf der Seite Losverfahren Humanmedizin, die Rabatte für mehrere Fächer unter Preise. Gleich, wer die Anträge stellt: Doppelte Anträge an einer Hochschule können zum Ausschluss führen. Mehr dazu unter Mehrfachantrag vermeiden.

Häufige Fragen

Wie viele Wartesemester braucht man für Medizin?

Keine, denn Wartesemester werden nicht mehr gezählt. Im letzten Verfahren mit eigener Wartezeitquote, zum Wintersemester 2019/20, brauchte man in Medizin laut hochschulstart 14 Halbjahre, also sieben Jahre. Nach einer Übergangsphase spielt die Wartezeit seit dem Sommersemester 2022 gar keine Rolle mehr.

Zählen meine gesammelten Wartesemester noch?

Nein. Die Übergangsregel im Staatsvertrag über die Hochschulzulassung galt nur bis einschließlich Wintersemester 2021/22. Wer vorher Halbjahre gesammelt hat, kann sie heute in keiner Quote mehr einbringen.

Bringt ein FSJ Punkte für das Medizinstudium?

Ja, wenn es mindestens elf vollendete Monate gedauert hat und die Tätigkeit überwiegend medizinischen Bezug hatte. Dann kann es an Hochschulen, die Dienste bewerten, Punkte bringen. Außerdem gibt ein abgeleisteter Dienst bei Punktgleichheit den Ausschlag, bevor das Los entscheidet.

Wie kommt man ohne Wartezeit an einen Medizinplatz?

Im Zentralen Verfahren über eine gute Abiturnote, einen starken Studieneignungstest, eine anerkannte Ausbildung, einen Dienst oder eine Vorabquote wie die Landarztquote. Unabhängig davon verlosen viele Hochschulen nach dem zentralen Verfahren frei gebliebene Plätze, dort zählen weder Note noch Wartezeit.

Bereit für die nächste Antragsrunde?

Du buchst online, trägst Deine Daten einmal ein, und wir stellen die Anträge. 109,90 € für das erste Fach und Semester.