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Losverfahren Medizinstudium
Ratgeber · 08.10.2026

Tiermedizin studieren: Voraussetzungen, Standorte und der Weg über das Los

Fünf Hochschulen, ein Start im Jahr, fünfeinhalb Jahre Regelstudienzeit: Wer Tiermedizin studieren will, sollte die Zahlen kennen, bevor die Bewerbung beginnt.

Stethoskop um einen Pfotenabdruck gelegt, daneben eine Lostrommel

Tiermedizin studieren kann man in Deutschland an genau fünf Hochschulen. Zum Wintersemester 2026/27 boten sie laut hochschulstart zusammen 1.099 Studienplätze an. Voraussetzung ist eine Hochschulzugangsberechtigung, beworben wird sich zentral über hochschulstart und nur zum Wintersemester. Die Regelstudienzeit liegt bei fünfeinhalb Jahren.

Dieser Ratgeber bleibt bei dem, was sich belegen lässt: die Regeln der Bewerbung, der Aufbau nach der Approbationsordnung, die Platzzahlen je Standort. Und er zeigt, was bleibt, wenn das zentrale Verfahren keinen Platz bringt.

Welche Voraussetzungen gelten für das Tiermedizinstudium?

Die formale Hürde ist niedriger, als viele glauben. Gebraucht wird eine Hochschulzugangsberechtigung. Meist ist das das Abitur, nach Angaben von hochschulstart zählen je nach Bundesland aber auch verschiedene Wege der beruflichen Qualifikation. Wie das ohne Abitur aussehen kann, beschreibt der Ratgeber Medizin studieren ohne Abitur.

Die eigentliche Hürde ist die Zulassung. Tiermedizin gehört zu den vier bundesweit zulassungsbeschränkten Fächern, und für die gibt es nur einen Weg hinein: die Bewerbung über hochschulstart. Eine direkte Bewerbung bei einer der fünf Hochschulen ist im regulären Verfahren nicht vorgesehen.

Drei Regeln bestimmen den Kalender:

  • Nur ein Start im Jahr. hochschulstart bietet Tiermedizin ausschließlich zum Wintersemester an. Ein Sommersemester als zweite Chance gibt es für Erstsemester nicht.
  • Feste Ausschlussfristen. Für das Wintersemester 2026/27 begann die Bewerbungsphase am 27.04.2026. Wer die Hochschulzugangsberechtigung schon vor dem 16.01.2026 erworben hatte, musste sich bis zum 31.05.2026 bewerben, alle anderen bis zum 15.07.2026. Die aktuellen Termine stehen in der Terminübersicht von hochschulstart.
  • Beliebig viele Ortswünsche. In Tiermedizin darf eine Bewerbung alle fünf Standorte enthalten. Bei so wenigen Hochschulen spricht wenig dagegen, jeden Ort anzugeben, an dem man sich ein Studium vorstellen kann.

Über die Vergabe entscheiden dann mehrere Quoten. In einer zählt allein die Abiturnote, in den anderen auch der TMS (Test für Medizinische Studiengänge) und eine anerkannte Ausbildung, etwa als Tiermedizinische Fachangestellte oder Tierpfleger. Welche Noten zuletzt gereicht haben und wie die Quoten aufgeteilt sind, steht im Ratgeber NC Tiermedizin. Warten allein hilft dabei nicht mehr, denn eine Wartezeitquote gibt es seit dem Sommersemester 2022 nicht mehr. Was nach dem Ende der Wartezeitquote gilt, erklärt der Ratgeber Wartezeit im Medizinstudium.

Eine Sorge lässt sich schnell ausräumen. Latein muss niemand mitbringen. Die Approbationsordnung verlangt für die erste Prüfung einen Kurs in medizinischer Terminologie, den die Universität anbietet. Wer Latein- oder Griechischkenntnisse nachweisen kann, braucht den Kurs nicht.

Wie lange dauert das Studium und wie ist es aufgebaut?

Anders als viele Studiengänge ist Tiermedizin bundesweit durch eine Verordnung geregelt: die Verordnung zur Approbation von Tierärztinnen und Tierärzten, kurz TAppV. Sie legt die Regelstudienzeit auf fünf Jahre und sechs Monate fest. Einzelheiten regelt jede Universität in ihrer Studienordnung, an den Rahmen sind aber alle fünf gebunden.

Die Ausbildung besteht aus zwei Teilen. Der theoretische Teil dauert viereinhalb Jahre und umfasst 3.850 Stunden Pflicht- und Wahlpflichtveranstaltungen, die nicht überschritten werden dürfen. Im Semester sollen es im Schnitt 30 Wochenstunden sein. Hinzu kommen 1.170 Stunden Praxis, aufgeteilt auf diese Stationen:

Praktischer Studienteil laut TAppV Stunden
Landwirtschaft, Tierzucht und Tierhaltung 70
Kurative Praxis oder Tierklinik 150
Hygienekontrolle, Lebensmittelüberwachung und -untersuchung 75
Schlachttier- und Fleischuntersuchung 100
Öffentliches Veterinärwesen 75
Kurative Praxis, Tierklinik oder Wahlpraktikum 700
Zusammen 1.170

Die Praktika liegen außerhalb der Vorlesungszeit und finden in der Regel ganztägig statt. Wann genau, legt die Universität fest. Für die Planung heißt das: Ein guter Teil der vorlesungsfreien Zeit ist über Jahre verplant. Allein die Schlachttier- und Fleischuntersuchung umfasst 100 Stunden, die nach der Verordnung grundsätzlich am Stück über mindestens drei Wochen laufen. Dazu kommen mindestens 308 Stunden Wahlpflichtveranstaltungen zwischen dem ersten und dem neunten Semester, bei denen die Studierenden selbst Schwerpunkte setzen.

Wer beim Wort Tiermedizin vor allem an die Kleintierpraxis denkt, sieht an der Tabelle, wie breit das Fach angelegt ist: Schlachthof, Lebensmittelkontrolle und Veterinäramt gehören fest dazu.

Die Prüfungen

Geprüft wird in drei Etappen. Die Tierärztliche Vorprüfung hat zwei Abschnitte:

  1. Vorphysikum. Physik, Chemie, Zoologie und Botanik der Futter-, Gift- und Heilpflanzen. Diese Prüfungen sollen bis zum Ende des ersten Studienjahres abgelegt sein. Die Verordnung erlaubt den Universitäten außerdem, schon im ersten Studienmonat eine mündliche Prüfung über diese Grundkenntnisse anzubieten. Wer sie in einem Fach besteht, hat dieses Fach des Vorphysikums damit hinter sich, wer durchfällt, hat keinen Versuch verloren.
  2. Physikum. Anatomie, Histologie und Embryologie, Physiologie, Biochemie sowie Tierzucht und Genetik. Vorgesehen ist es bis zum Ende des zweiten Studienjahres. Zur Zulassung gehört unter anderem eine 70-stündige Übung auf einem Lehrgut, verteilt auf zwei aufeinanderfolgende Wochen.

Danach folgt die Tierärztliche Prüfung mit 20 Fächern, von Tierernährung und Virologie bis zu Innerer Medizin, Chirurgie und Reproduktionsmedizin. Einige der klinischen Fächer dürfen frühestens am Ende des achten Semesters abgeschlossen werden. Die Prüfungen ziehen sich also über die zweite Studienhälfte und lassen sich nicht beliebig vorziehen.

Durchfallen ist nicht sofort das Ende. Ein nicht bestandenes Prüfungsfach darf zweimal wiederholt werden. Scheitert auch der dritte Versuch, ist die Prüfung endgültig nicht bestanden, und zwar auch für ein neues Tiermedizinstudium an einer anderen Hochschule. Nach bestandener Tierärztlicher Prüfung beantragt man die Approbation bei der zuständigen Behörde des Landes, in dem man die Prüfung abgelegt hat.

Wo kann man Tiermedizin studieren? Die fünf Standorte

Die Zahl der Studienorte ist der Grund, warum Tiermedizin so umkämpft ist. Humanmedizin bieten Dutzende Hochschulen an, Tiermedizin nur fünf. hochschulstart veröffentlicht für jeden Standort die Zahl der Studienplätze. Für das Wintersemester 2026/27 sah das so aus:

Hochschule Studienplätze WS 2026/27 Losverfahren in unserem Angebot
FU Berlin 188 nein
Justus-Liebig-Universität Gießen 210 ja
Tierärztliche Hochschule Hannover 268 ja
Universität Leipzig 136 nein
LMU München 297 ja
Zusammen 1.099 3 Verfahren

Quelle der Platzzahlen sind die Detailergebnisse des zentralen Verfahrens, Stand nach dem Ende der Koordinierungsphase. München ist mit 297 Plätzen der größte Standort, Leipzig mit 136 der kleinste. Die LMU bietet damit mehr als doppelt so viele Plätze wie Leipzig. Und weil Tiermedizin nur einmal im Jahr beginnt, werden alle diese Plätze in einem einzigen Verfahren vergeben. Eine zweite Runde zum Sommersemester, wie sie hochschulstart in Humanmedizin, Zahnmedizin und Pharmazie anbietet, fällt weg. Wer im Herbst nicht zum Zug kommt, konkurriert erst ein Jahr später wieder, dann um die Plätze des nächsten Jahrgangs. Standorte und Ablauf des Studiums vertieft der Beitrag Tiermedizin studieren in Deutschland.

Für die Bewerbung hat das zwei Folgen. Erstens verteilen sich alle Bewerber auf diese rund 1.100 Plätze, ein sechster Standort zum Ausweichen existiert nicht. Zweitens unterscheiden sich die Auswahlgrenzen je Ort. Im Wintersemester 2026/27 war Leipzig, der kleinste Standort, für Bewerber aus jedem Bundesland auch der strengste. Die Werte im Einzelnen stehen im Ratgeber NC Tiermedizin.

Ein Studium im Ausland ist für manche eine Alternative, dieser Ratgeber bleibt aber bei den Wegen in Deutschland.

Kein Platz? Das Los

Mit einer 1,8 im Abitur führt in Tiermedizin kein Weg über die Abiturbestenquote: Im Wintersemester 2026/27 lag die Grenze dort an keinem Standort und in keinem Bundesland schlechter als 1,5. Ohne starken TMS wird es auch in den anderen Quoten eng. Damit ist das Jahr aber noch nicht verloren.

Ist das zentrale Verfahren vorbei, sind an manchen Hochschulen noch Plätze unbesetzt: Wer zugelassen wurde, hat abgesagt oder sich am Ende nicht eingeschrieben. Einige Hochschulen verlosen diese Restplätze. Im Losverfahren spielen Abiturnote, TMS und Ausbildung keine Rolle, eine Hochschulzugangsberechtigung braucht man trotzdem. Den Weg vom zentralen Verfahren bis zur Verlosung zeichnet der Ratgeber zur Restplatzvergabe nach.

Im Wintersemester 2026/27 haben wir in Tiermedizin drei Losverfahren im Angebot: in Gießen, an der Tierärztlichen Hochschule Hannover und an der LMU München. Wie viele Bewerber dort tatsächlich einen Platz gewonnen haben, wollten wir genau wissen und haben die Hochschulen auf Grundlage des Informationsfreiheitsgesetzes angefragt. Geantwortet haben sie 2026:

  • Tierärztliche Hochschule Hannover: 16 Losgewinner im Wintersemester 2024/25, dazu 15 im Wintersemester 2025/26.
  • Universität Gießen: 2 Losgewinner im Wintersemester 2025/26.

Zusammen sind das 33 Zulassungen über das Los in zwei Wintersemestern, und das ist eine Untergrenze, weil nicht jede Hochschule eine Statistik geführt hat. Hinter jeder dieser Zahlen steht jemand, der ohne Blick auf seine Note an einen Studienplatz kam. Dass die Zahl der Losgewinner höher liegen kann als die Zahl der anfangs freien Plätze, hat einen einfachen Grund: Sagt ein Gezogener ab, geht sein Platz an den Nächsten auf der Losliste. Ein Platz über das Los ist nie sicher, aber jedes Semester haben Bewerber Glück. Alle Zahlen stehen auf der Seite Chancen im Losverfahren.

Drei Verfahren klingen nach wenig Aufwand. Einfach sind sie trotzdem nicht. Jede der drei Hochschulen regelt den Antrag anders, und die Zeitfenster liegen Monate auseinander: In Gießen und Hannover beginnen sie Ende August, in München erst im November. In Hannover zählt nur, was innerhalb des Antragszeitraums eingeht, ein zu früher Antrag ist genauso verloren wie ein zu später. Doppelte Anträge sortiert die Hochschule aus. Was ein doppelter Antrag anrichten kann, erklärt der Ratgeber Mehrfachantrag vermeiden.

Alle drei Tiermedizin-Anträge eines Semesters übernehmen wir gemeinsam für 109,90 €, das sind rund 36,63 € je Verfahren. Kommt ein zweites Fach in denselben Auftrag, kostet es die Hälfte, also 54,95 €. Wer auch Pharmazie in Betracht zieht: Dort bleiben häufiger Plätze übrig als in Humanmedizin, mehr dazu im Ratgeber Pharmazie studieren. Die Übersicht der drei Verfahren mit groben Zeiträumen steht auf der Fachseite Losverfahren Tiermedizin, die Preisbeispiele unter Preise.

Was tun, wenn es im ersten Anlauf nicht klappt?

Wer im Herbst ohne Platz dasteht, hat bis zur nächsten Chance fast ein Jahr. Weil Tiermedizin nur zum Wintersemester beginnt, öffnet die nächste Bewerbungsphase bei hochschulstart erst im folgenden Frühjahr. Das Jahr dazwischen bringt für sich genommen keine Punkte, eine Wartezeitquote gibt es ja nicht mehr. Es kommt darauf an, was man daraus macht.

Zwei Dinge zählen in Tiermedizin außerhalb der Abiturnote. Der TMS fließt an allen fünf Standorten sowohl in die Zusätzliche Eignungsquote als auch in das Auswahlverfahren der Hochschulen ein. Und eine Ausbildung in einem anerkannten Beruf bringt in beiden Quoten Punkte. Welche Berufe hochschulstart anerkennt und wie viel sie wiegen, steht im Download-Bereich von hochschulstart in den Übersichten zu den Auswahlkriterien.

Das Losverfahren ist dabei kein Ersatz für die Bewerbung über hochschulstart, sondern eine zusätzliche Chance, die zeitlich danach kommt. Ob im nächsten Jahr dieselben Hochschulen losen, kann sich ändern. Wer TMS, Bewerbung und Los kombiniert, hat mehr Eisen im Feuer als jemand, der allein auf die Note setzt. Welche Wege es ohne Spitzennote insgesamt gibt, zeigt der Ratgeber Medizin studieren ohne NC, den Jahresablauf von der Bewerbung bis zur Verlosung der Ratgeber zum Bewerbungszeitplan. Und falls das Los fällt, beschreibt der Ratgeber Gelost: was jetzt?, was dann schnell zu tun ist.

Häufige Fragen

Wie lange dauert das Tiermedizinstudium?

Die Regelstudienzeit beträgt laut Approbationsordnung für Tierärzte fünf Jahre und sechs Monate. Darin stecken viereinhalb Jahre Lehre mit 3.850 Stunden und ein praktischer Teil von 1.170 Stunden. Wer Prüfungen wiederholen muss, braucht entsprechend länger.

Wo kann man in Deutschland Tiermedizin studieren?

An fünf Hochschulen: der FU Berlin, der Universität Gießen, der Tierärztlichen Hochschule Hannover, der Universität Leipzig und der LMU München. Zum Wintersemester 2026/27 standen dort laut hochschulstart zusammen 1.099 Studienplätze zur Verfügung, die meisten in München, die wenigsten in Leipzig.

Welche Voraussetzungen braucht man für ein Tiermedizinstudium?

Nötig ist eine Hochschulzugangsberechtigung, meist das Abitur. Beworben wird sich immer über hochschulstart, und zwar nur zum Wintersemester. Latein ist keine Pflicht: Die Approbationsordnung verlangt einen Kurs in medizinischer Terminologie, den Lateinkenntnisse ersetzen können.

Kann man Tiermedizin ohne Einserabitur studieren?

Ja, aber kaum über die Abiturbestenquote, dort lag die Grenze im Wintersemester 2026/27 nirgends schlechter als 1,5. In den anderen Quoten zählen auch der TMS und eine passende Ausbildung. Ganz ohne Note entscheidet nur das Losverfahren: An der Tierärztlichen Hochschule Hannover kamen so zum Wintersemester 2024/25 16 Bewerber an einen Platz, ein Jahr darauf 15.

Bereit für die nächste Antragsrunde?

Du buchst online, trägst Deine Daten einmal ein, und wir stellen die Anträge. 109,90 € für das erste Fach und Semester.